Darum geht es beim VW-Abgasskandal

So können sich Betroffene zur Wehr setzen – ohne Aufwand und zum Nulltarif

Millionen Käufer von Dieselfahrzeugen wurden von VW geschädigt. Betroffene müssen nun aktiv werden und sich einer Musterfeststellungsklage anschließen. Verbraucherverbände führen stellvertretend die Klage – für Verbraucher komplett kostenlos. Hier erfahren Sie, was Sie über die Musterfeststellungsklage gegen VW wissen müssen.

Rückblick: So kam es zum VW-Abgasskandal

Am 18. September 2015 räumte die Volkswagen AG öffentlich ein, die Abgaswerte bestimmter Dieselfahrzeuge manipuliert zu haben. Die Emissionswerte, die auf den Prüfständen gemessen wurden, entsprachen nicht dem tatsächlichen Ausstoß der Fahrzeuge im Alltag. Testsituationen wurden dahingehend manipuliert, dass die Emission von Stickoxiden möglichst gering ausfällt.

Zusätzlich sorgt eine Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung dafür, dass Teile der Abgaskontrollanlagen während des Normalbetriebs ausgeschaltet werden. Diese Manipulation führt zu einem erheblich höheren Ausstoß an Stickoxiden, als in den technischen Datenblättern der Fahrzeuge beworben wurde. VW gibt an, dass die unzulässige Software in ca. 11 Millionen Fahrzeugen der Marken VW, Audi, SEAT, Skoda, Porsche und VW Nutzfahrzeuge aktiv sei.

Bislang musste jeder betroffene Fahrzeugbesitzer individuell um Schadensersatz kämpfen. Mit der Einführung der Musterfeststellungsklage zum 1. November 2018 ändert sich das: Dann kann ein Verbraucherverband stellvertretend für geschädigte Verbraucher gegen ein Unternehmen klagen.

Erste Muster­fest­stellungs­klage gegen VW wird vorbereitet

Bereits Mitte September 2018 kündigte die Verbraucherzentrale Bundesverband an, in Kooperation mit dem ADAC eine Musterfeststellungsklage gegen VW anzustreben. Pünktlich am 1. November 2018, wenn das Gesetz über die Musterfeststellungsklage in Kraft tritt, soll die Klage beim Oberlandesgericht Braunschweig eingereicht werden. Dann können sich betroffene Verbraucher für die Klage anmelden – kostenfrei und ohne Risiko.

Gut zu wissen:

Anmeldung zur Klage stoppt die Verjährung von Ansprüchen

Die meisten betroffenen Fahrzeuge wurden im Jahr 2016 oder später vom Hersteller zurückgerufen, weshalb mit dem ende des Jahres 2019 die dreijährige Verjährungsfrist für viele Fahrzeuge ausläuft. Danach haben geschädigte Verbraucher keine Ansprüche auf Schadensersatz. Ein Grund mehr, sich einer Musterfeststellungsklage anzuschließen, denn diese hemmt die Verjährung, sodass Sie weiterhin Chancen auf Schadensersatz haben.

Deshalb haben Betroffene Anspruch auf Schadensersatz

Rechtlich gesehen ist es nicht ausreichend, dass ein erworbenes Fahrzeug technisch sicher und fahrbereit ist. Das Fahrzeug muss beim Kauf die sogenannte Sollbeschaffenheit aufweisen, die bei Fahrzeugen gleicher Art üblich ist. Da eine nicht gesetzeskonforme Motorsteuerungssoftware üblicherweise nicht zur Beschaffenheit eines Fahrzeuges gehört, wurde der Käufer eines solchen Fahrzeugs beim Kauf getäuscht.

Viele Geschädigte schrecken jedoch davor zurück, rechtlich gegen VW vorzugehen, weil sie hohe Anwalts- und Prozesskosten fürchten und die Chancen eines Erfolgs schwer abschätzen können. Die Einführung der Musterfeststellungsklage ist kein Garant für einen Prozesssieg gegen die Autohersteller, aber sie ermöglicht es Verbrauchern, ohne Kostenrisiko einem möglichen Schadensersatz einen Schritt näher zu kommen.

Auf diesen Nachteilen bleiben Geschädigte sitzen

Abgasmanipulierte Dieselfahrzeuge haben einen überproportionalen Wertverlust, der das Auto schlimmstenfalls unverkäuflich macht. Zudem können drohende Fahrverbote zu Mobilitätseinschränkungen führen. Die Volkswagen AG bietet geschädigten Kunden ein Software-Update an. Bei Nichterfüllung wird den Fahrzeughaltern von den zuständigen Zulassungsbehörden mit der Entziehung der Zulassung gedroht. Doch ein Software-Update reicht Verbraucherschützern nicht, da Volkswagen nicht offenlegt, was das Update genau bewirkt: Sie fordern Kaufpreisrückzahlung, Hardware-Nachrüstungen und Schadensersatz für geschädigte Fahrzeugkäufer.

Gut zu wissen:

Auch nach Software-Update am Fahrzeug sind die Ansprüche noch durchsetzbar

Haben Sie an Ihrem Fahrzeug bereits ein Software-Update durchführen lassen, können Sie dennoch von Ihrem Kaufvertrag zurücktreten und den Kaufpreis zurückfordern. Unter Umständen kann der Fahrzeughersteller eine Nutzungsentschädigung für die tatsächlich gefahrenen Kilometer vom Kaufpreis einbehalten.